Martin von Schaumberg

Veröffentlicht am 30. März 2025 um 18:05

Ein Nassenfelser: Bischof Martin von Schaumberg

von Prof. Dr. Kerstin Merkel

Nassenfels kann nicht mit berühmten Bürgern aufwarten, aber immerhin wurde hier ein Bischof geboren. Martin von Schaumberg kam in der ersten Hälfte des Jahres 1523 zur Welt, war ab 1560 für 30 Jahre Bischof von Eichstätt und starb dort am 28.6.1590.

Seine Geburt in Nassenfels muss eher als Zufall angesehen werden. Sein Vater Kaspar war hier als bischöflicher Pfleger für einige Jahre tätig. Pfleger waren Verwaltungsbeamte, meist mit juristischer Ausbildung und entsprechenden Rechten. Ihre adlige Herkunft war Standard in diesem Amt. Wahrscheinlich lebte die Familie in dem heute abgerissenen Vorgängergebäude des "Schmiebauernhofes" (Eichstätter Str. 1), erst später wohnten die Pfleger in dem stattlichen Kastnerhaus in der Burg.

Er wurde in eine Zeit hineingeboren, in der sich schon deutlich abzeichnete, dass die Kirche und die Politik von bewegten Zeiten stehen. Luther hatte gerade seine Thesen veröffentlicht, die sich rasant verbreiteten. Im Jahr vor Martins Geburt hatte die adlige Argula von Grumbach aus Lenting mit ihren pro-lutherischen Publikationen für Aufregung in Ingolstadt gesorgt, sie setzte sich für dortige Studenten ein, die wegen „lutherischer Umtriebe“ der Uni verwiesen wurden. Von der Ingolstädter Universität aus kämpfte Johannes Eck gegen Luther – doch dürfte man in Nassenfels die explosive Kraft noch nicht wahrgenommen haben, die von der Reformation ausging und Martin von Schaumberg später voll und ganz beschäftigen würden.

Lange verweilte Martin wohl nicht in Nassenfels. Schon mit 8 Jahren trat er eine Stelle als Domherr/Domizellar an. Aus heutiger Sicht erscheint das unglaublich, doch damals bemühte sich der Adel, seine Kinder möglichst jung in kirchlichen Positionen zu platzieren. Das war nach der ersten Kommunion bzw. nach der Firmung möglich, auch ohne dass die Priesterweihe empfangen wurde. Sicher hatte Martin bis dahin zu Hause die nötige Grundausbildung im Lesen, Schreiben und Rechnen erhalten. Schon sehr jung, mit nur 10 Jahren, startete er mit dem Studium an der Universität Ingolstadt. Nach 6 Jahren ging es dann weiter nach Wien, wo sich eigentlich eine der ältesten und besten Unis im deutschsprachigen Raum befand. Doch die andauernde Bedrohung durch die Türken ließ zeitweise die Anzahl von 6000 Studenten auf 30 sinken, die Qualität der Lehre stürzte dramatisch ab und erst 1551 konnte man das Niveau durch den Einsatz der Jesuiten wieder anheben. Martin von Schaumberg dürfte wohl nicht viel gelernt haben, als er in Wien war. Jedenfalls ging es dann weiter in die weltoffene Universität von Bologna, wo sich damals schon die Jugend Europas traf. Die gemeinsame Sprache Latein erleichterte den Ortswechsel und das internationale Miteinander. Leider wissen wir nicht, was der Student Martin dort erlebte. Und nach all den Studienjahren erwarb er keinen akademischen Grad.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Schaumberg

Der "Schmiebauernhof" in Nassenfels, heute Eichstätter Str. 1, Das Vorgängergebäude war das Geburtshaus von Martin von Schaumberg 

Philipp Saldern, Grabdenkmal von Bischof Martin von Schaumberg im Eichstätter Dom.

Foto: Prof. Dr. Kerstin Merkel

Hier kniet Martin von Schaumberg links, ihm gegenüber knien seine Eltern Kaspar und Mutter Margarethe. (im Eichstätter Dom)

Foto: Prof. Dr. Kerstin Merkel

Doch Studienabschlüsse wie zu unserer Zeit spielten damals eine untergeordnete Rolle für einen jungen Adligen, der die klerikale Laufbahn einschlagen wollte. Martin von Schaumberg galt als hochgebildet, seine Lateinkenntnisse waren exzellent und seinen Wissensdurst stillte er lebenslang mit dem Ankauf zahlreicher Bücher. Er besaß eine umfangreiche Bibliothek, von der sich große Teile bis heute in der Universitätsbibliothek Eichstätt befinden. Zeitgenossen berichten von Diskussionen mit dem Bischof, in denen er bis „ins hohe Alter“ mit Eloquenz und Wissen bestach.

Zurück in der Heimat startete er eine solide Karriere in Eichstätt. Martin von Schaumberg wurde 1544 Kapitular und blieb das auch ganze zehn Jahre. Immerhin nutzten ihm seine internationalen Studienerfahrungen, den das Kapitel und der Bischof beauftragten ihn einige Male mit diplomatischen Missionen. Sogar nach Rom durfte er reisen, 1549/50 begleitete er den Augsburger Bischof, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg dorthin. Der Kardinal war schon zu dieser Zeit ein erklärter Hardliner gegen die Reformation und stets in dieser Mission unterwegs. Martin von Schaumberg dürfte hier viel gelernt haben. Anders als sein Mentor zeichnet er sich später als eher diplomatisch und umgänglich mit reformierten Fürsten aus, auch wenn er hart für das Wiedererstarken der katholischen Kirche in seiner Diözese kämpfen sollte.

1554 wurde er dann Cellerar, 1555 Kantor und 1559 Dekan des Domkapitels. 1560 wählte ihn das Domkapitel in erstaunlicher Geschwindigkeit nur 12 Tage nach dem Tod von Bischof Eberhard von Hirnheim zu dessen Nachfolger.

Zugleich war er Domherr in Augsburg, Bamberg und Würzburg, was nicht mit Anwesenheitspflicht, wohl aber mit Pfründen, also mit Einnahmen verbunden war.

Unaufhörlich war er um Reformen der Klöster und des Klerus bemüht. Besonders die Missachtung des Zölibats war ihm ein Anliegen, lebten doch viele Priester mit einer Lebensgefährtin. Dabei legte er sich durchaus auch mit hochrangigen Standesgenossen an, so mit dem Domherren Christoph von Stadion, der offen in einer Beziehung lebte. Der Domherr ignorierte seinen Bischof einfach und erschien nicht zu den gesetzten Terminen. Auch bei den Gemeindepriestern beharrte der Bischof auf die Entfernung der „Konkubinen“. Sollte das nicht freiwillig geschehen, würden die Frauen mit Gewalt entfernt. Umgehend gab es zahlreiche geradezu flehentliche Bitten von Priestern, ihnen die Haushälterin zu lassen, zumal wenn es sich um ältere Frauen handelte, die seit Jahrzehnten für Kochen und Haushaltsführung verantwortlich waren und einen untadeligen Lebenswandel führten. Andere Priester erklärten sich dazu bereit, sich von ihren Lebensgefährtinnen zu trennen, baten aber darum, diesen an anderen Orten einen Neustart zu ermöglichen. Der Bischof genehmigte beide Bitten.

Es gab es immer wieder Visitationen, weil die Priester ihre Gottesdienste vergaßen, keine klerikale Kleidung trugen, übermäßig zechten und die Texte für die Messe nicht beherrschten. Hier sah Martin von Schaumberg nur eine Chance: er musste von Grund auf die Bildung die Bildung der Jugend reformieren. Eines seiner wichtigsten Projekte war deshalb 1564 die Gründung des heute noch existierenden Collegiums Willibaldinum, das erste tridentinisch orientierte Seminar in Deutschland. Dadurch gelang es ihm, den großen Priestermangel zu mindern und die Gemeinden mit qualifizierten Priestern zu versorgen.

Zugleich ließ er die Dorfschulen reformieren bzw. neue gründen, um gleich an der Basis mit der Jugendbildung anzufangen.

Man muss sich bewusst machen, dass ein Bischof dieser Zeit eine politische Verantwortung zu tragen hatte und als Fürst für Wirtschaft und Recht in seiner Diözese zuständig war. Hier erwies sich Martin von Schaumberg als gute Wahl. Er erweiterte das Hochstift Eichstätt durch den Kauf von Dörfern. Durch neue Verträge mit den Nachbarregionen klärte und sicherte er die undefinierten Hochgerichtsgrenzen und vermied weitere Streitereien. Juristische Erlasse wurden komplett überarbeitet, so gab es neue Rechts-, Gerichts- und Handwerksordnungen. Mit seinen reichsständischen Nachbarn, auch mit den protestantischen, pflegte er freundschaftlichen Umgang und Zusammenarbeit, ohne seine Grundsätze zu verleugnen. Als geistlicher Fürst nahm er an zahlreichen Reichstagen teil. Das war zu den unruhigen Zeiten der Gegenreformation zwar eine politische Pflicht, der aber keineswegs alle Bischöfe nachkamen. Durchaus weitsichtig war die Einführung des Gregorianischen Kalenders 1583.

Wie fast alle Eichstätter Bischöfe ließ sich auch Martin von Schaumberg im Dom bestatten. Neben seinem Grabstein, der direkt auf der Stelle seiner Bestattung lag und heute im Mortuarium steht, ließ er sich durch den Eichstätter Bildhauer Philipp Sarder (ca. 1520- ca. 1600) ein großes Epitaph über einem Altar errichten.

In der Mitte der unteren Bildreihe befindet sich die wichtigste Szene. Genau in der Mitte steht das Kreuz Christi, davor kniet links Bischof Martin von Schaumberg, rechts sein Vater Kaspar. Hinter dem Bischof steht ein nicht näher zu benennender Kleriker, hinter dem Vater kniet dessen Ehefrau Margarethe von Waldenfels. Zu beiden Seiten flankieren die Lokalheiligen Willibald und Walburga den Grabaltar.

Das mittlere Bildfeld orientiert sich an einem Holzschnitt von Lucas Cranach d.Ä., in dem er die Grundidee Luthers thematisiert. „Gesetz und Gnade“ zeigt unter dem linken Kreuzesarm Szenen aus dem Alten Testament, so die eherne Schlange und Moses mit den Gesetzestafeln. Rechts hingegen verweist Johannes der Täufer auf den gekreuzigten Christus: die Gnade Gottes kommt mit dem neuen Testament zum Menschen. Es überrascht, ausgerechnet das Werbeplakat von Luthers reformatorischen Grundgedanken im Grabmal eines gegenreformatorischen Bischofs zu entdecken, doch tatsächlich hat die „alte“ Kirche einige Thesen Luthers still und leise übernommen.

In der Reihe über dem Hauptfeld werden die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi dargestellt, beides soll dem Betrachter Hoffnung machen auf das vom Christentum versprochene ewige Leben. Flankiert werden die Szenen von den Aposteln Petrus und Paulus. In dem obersten Feld erscheint das Weltgericht, und im bekrönenden Giebel Gottvater mit dem heiligen Geist. In vier kleinen Nischen sind die vier Evangelisten um die oberen Felder verteilt.

Das Grabmal ist für den Eichstätter Dom ungewöhnlich groß, bunt bemalt, mit vielen Inschriftenfeldern sehr didaktisch und für einen heutigen Betrachter erklärungsbedürftig. Es ist typisch für die Zeit des Manierismus und soll die religiöse Bildung seines Auftraggebers zur Schau stellen, was aber ziemlich überladen wirkt. Es ist das einzige Grabdenkmal im Dom, in dem der Bischof seine Eltern darstellt. Auf dieses Thema soll in einem späteren Blog gesondert eingegangen werden (siehe „Eine Nassenfelserin: Margarethe von Waldenfels“)

Fazit: Bischof Martin von Schaumberg „fühlte sich zwar bewusst als Fürst und legte Wert auf Repräsentation, aber er war in erster Linie ein Seelsorger mit vorbildlichem Lebenswandel. Seine Gutmütigkeit und Nachsicht hinderten ihn an harten Maßnahmen; er verlegte sich lieber auf Mahnen und Zureden und hatte dabei durchaus Erfolg. Als er starb, war die Reform seines Bistums kräftig in Gang gesetzt“ (zitiert nach Ernst Reiter).

Eine Silbermünze von 1572 (2 Thaler) zeigt auf der Vorderseite  Martin von Schaumberg., Bischoff von Eichstätt

Quelle: https://en.numista.com/catalogue/pieces402708.html


Literatur:

Ernst Reiter, Martin von Schaumberg, Fürstbischof von Eichstätt (1560–90) und die Trienter Reform, 1965.

Erstelle deine eigene Website mit Webador